Infanterie-Regiment 74

 

Feldpostnummern ab der Mobilmachung: Die Einheiten wurden als Teile vom Infanterie-Regiment 74 in der Feldpostübersicht eingetragen. Anfang 1940 wurden die einzelnen Kompanien gestrichen und diese ab Mitte 1940 direkt beim jeweiligen Stab eingetragen. 1940/41 wurde die 14. Kompanie gestrichen. Ebenfalls 1940/41 wurden das III. Bataillon zum I. Bataillon vom Schützen-Regiment 112 umbenannt. Ebenfalls 1940/41 wurde die Masse der restlichen Einheiten zu Teilen vom Schützen-Regiment 74 umbenannt. Der Regimentsstab wurde 1941 auch zum Regimentsstab vom Schützen-Regiment 74 umbenannt.

Einheit Feldpostnummer Nummer ab Mitte 1940
Regimentsstab 13339 13339
Stab I. Bataillon 28868 28868 A
1. Kompanie 23751 28868 B
2. Kompanie 12218 28868 C
3. Kompanie 18753 28868 D
4. Kompanie 08276 28868 E
Stab II. Bataillon 15411 15411 A
5. Kompanie 27398 15411 B
6. Kompanie 21411 15411 C
7. Kompanie 29483 15411 D
8. Kompanie 29571 15411 E
Stab III. Bataillon 21764 21764 A
9. Kompanie 01527 21764 B
10. Kompanie 20656 21764 C
11. Kompanie 05640 21764 D
12. Kompanie 13521 21764 E
13. Kompanie 11756 11756
14. Kompanie 17775 17775
Kolonne 20136 20136

Das Infanterie-Regiment 74 wurde am 12. Oktober 1937 im Wehrkreis XI aufgestellt. Der Regimentsstab wurde in Hameln, im Wehrkreis Wehrkreis XI, aufgestellt. Das I. Bataillon vom Regiment wurde durch das I. Bataillon vom Infanterie-Regiment 82 ebenfalls in Hameln aufgestellt. Das II. Bataillon vom Regiment wurde durch Abgaben der Infanterie-Regimenter 4, 27 und 96 auf dem Truppenübungsplatz Bergen, ebenfalls Wehrkreis XI, aufgestellt und vorläufig auch dort stationiert. Das Regiment wurde mit der Aufstellung der 19. Infanterie-Division unterstellt. Im Herbst 1938 befand sich das II. Bataillon vom Regiment inzwischen ebenfalls in Hameln. Ebenfalls im Herbst 1938 wurde dann durch Abgaben des gesamten Regiments ein Ergänzungs-Bataillon vom Infanterie-Regiment 74 ebenfalls in Hameln aufgestellt. Das III. Bataillon vom Regiment entstand erst bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Sommer 1939.
In der Zeit vom 28. bis 31. August 1939 stand das Regiment im Rahmen der 19. Infanterie-Division in seinem Bereitstellungsraum nordostwärts von Rosenberg / Oberschlesien an der polnischen Grenze, die am 1. September 1939 überschritten wurde. Am ersten Tag der Offensive erreichten die vorne eingesetzte Infanterie-Regimenter 59 und 73 ohne wesentliche Feindberührung due Gegend Zimna Woda - Parzymiechy. Das Infanterie-Regiment 74 folgte als Reserve. Hier stieß das Regiment auf ersten Widerstand. Nach erbitterten Ortskämpfen, befanden sich gegen Abend die vorderen Teile des Regiments vor ausgebauten, von polnischen Kräften verteidigten Waldstellungen. Im Morgengrauen des 2. September konnten die polnischen Stellungen im Sturm genommen werden. Anschließend nahm das Regiment die Verfolgung der sich zurückziehenden polnischen Truppen in Richtung Warta auf. Stärkerer Widerstand bei Albertow wurde nach kurzem, heftigem Gefecht gebrochen. Gegen Abend erreichten die Anfänge der Infanterie-Regimenter der 19. Infanterie-Division das westliche Warta-Ufer, das unter feindlichem Artilleriefeuer lag. Die nächtliche Aufklärung ergab jedoch bald, dass der Feind das östliche Ufer räumte. So konnte am Morgen des 3. September die Warta, deren Brücken gesprengt waren, ohne Feindeinwirkung überschritten werden. Das Pionier-Bataillon 19 errichtete eine Kriegsbrücke bei Niwiska-Dolne. Der 4. September wurde für das Regiment ein reiner Marschtag, am Abend wurde der Raum Salmierzyce erreicht. Am 5. September wurde unter schweren Kämpfen die Widawka mit ersten Teilen überschritten. Als das Regiment am 6. September erneut zum Angriff antrat, hatten die polnischen Einheiten wiederum ihre Stellungen geräumt. Der 6. und 8. September 1939 verlangte vom Infanterie-Regiment 74 wieder starke Marschleistungen. Ohne nennenswerte Kampfhandlungen erreichte es über Belchatow, Bendkow, Ujazd und Zelechlin vorgehend die Gegend südlich von Gluchow, etwa 3 km südwestlich von Pogorzela, 20 km südöstlich von Gostyń. Bei Gluchow wurde das Regiment am 9. September angehalten und zur Entlastung der bei Jezow kämpfenden 18. Infanterie-Division eingesetzt, Am Abend wurde dann der Vormarsch in Richtung Osten wieder aufgenommen. Am 10. September wurde der Ort Rawa durchschritten und die Gegend um Biala Rawska, etwa 17 km östlich von Rawa Mazowiecka und ca. 71 km östlich von Łódź. Von hier aus wurde das Regiment nach Norden eingedreht, um an den Kämpfen westlich von Warschau teilzunehmen. Am 11. September versuchte polnische Kavallerie, bei der vormarschierenden 19. Infanterie-Division durchzubrechen. Es gelang der Division und dem Infanterie-Regiment 74 aus der Bewegung heraus, den polnischen Angriff abzuschlagen. Die Nacht zwischen dem 11. und 12. September verbrachte das Regiment beiderseits des brennenden Mszczonow. Am 12. September stieß das Vorgehen der 19. Infanterie-Division auf starken polnischen Widerstand bei Zyrardow und im Waldgelände westlich davon. Am Abend dieses Tages waren beide Städte und das ausgedehnte Waldgelände in der Hand der Division. In der Gegend von Wiskiti verbrachte das Infanterie-Regiment 74 die Nacht und am 12. September stieß sie bis Sochaczwe an die Bzura westlich davon vorgegangen. Sochaczew wurde von polnischen Truppen mit Artillerieunterstützung stark verteidigt. Vom 13. September bis zum 15. September mittags hatte das Regiment die Aufgabe, in der erreichten Stellung die Durchbruchsversuche des aus Richtung Kutno angreifenden Gegners abzuwehren. Am 15. September erhielt die 19. Infanterie-Division den Auftrag, über die Bzura einen Brückenkopf zu bilden, der als Bereitstellungsraum für deutsche Panzer dienen sollte. Die Infanterie-Regimenter 73 und 74 wurden bereits am 15. September nachmittags über die Bzura vorgeführt. Am 16. September vormittags traf sie in dieser Brückenkopfstellung ein starker polnischer Gegenangriff. Stärkere Verluste, vor allem beim Infanterie-Regiment 74, traten ein. In schweren Abwehrkämpfen, unterstützt von deutschen Panzern, konnte die 19. Infanterie-Division den Brückenkopf halten. Am 17. September ging das Infanterie-Regiment 74 in nördlicher Richtung bis Adamowa - Gora - Ruszki vor. Bei Ruszki wurde das Regiment am 18. September früh von stark überlegenen polnischen Einheiten angegriffen, die aus der Gegend Gisyce in Richtung Sochaczew und Warschau durchstoßen wollten. Es gelang dem Rahmen im Verband mit der 19. Infanterie-Division, den feindlichen Durchbruch unter starkem Artillerieeinsatz abzuwehren. Anschließend marschierte das Regiment weiter nach Norden, um an den Kämpfen an der Bzura teilzunehmen. Das Waldgelände nördlich von Mlodzieszyn war stark von polnischen Einheiten besetzt. Der Angriff des Regiments in diesem unübersichtlichen Dünen- und Waldgelände kam zum Stehen. Am 19. September ergab sich der polnische Gegner, womit die Kämpfe der 19. Infanterie-Division in diesem Abschnitt endeten. Sie marschierte über Sochaczew in Richtung Blonie, wo sie zwei Tage Ruhe hatte. Am 23. September wurde das Regiment dann nochmals zur Säuberung der Waldgebiete südlich Modlin eingesetzt. Zu nennenswerten Kämpfen kam es dabei nicht mehr. Am 25. September übernahm das Regiment den ihr zur Einschließung Warschaus zugewiesenen Abschnitt zwischen der Bahnlinie Skierniewice - Warschau und der Straße Laski - Gac. Am 26. September führte das Regiment mehrere Stoßtruppunternehmen gegen die polnischen Verteidigungsstellungen von Warschau durch. Am 27. September nahmes dann am Schlußangriff auf die polnische Hauptstadt teil, die am gleichen Tag kapitulierte. Damit endete der Polenfeldzug für das Infanterie-Regiment 74. Am 2. Oktober marschierte das Regiment in die polnische Hauptstadt ein.
Anfang Oktober 1939 begann die Verlegung des Infanterie-Regiments 74 und der gesamten 19. Infanterie-Division in den Westen an den Niederrhein. Anfang November bezog das Regiment seinen Unterkunftsraum im Raum Wesel. Im Januar 1940 kam das Regiment in den Raum Duisburg - Wittmar - Vilbert - Werdau - Mühlheim. Im März 1940 wurde das Infanterie-Regiment 74 zur Grenzsicherung östlich von Roermond eingesetzt. Ab dem 10. Mai 1940 nahm es am Westfeldzug teil. Beiderseits Roermond wurde der Übergang über die Maas erzwungen. Bereits am Folgetag erreichten die Vorausabteilungen der 19. Infanterie-Division den Albert-Kanal. Der Rest der Division kam nur stockend über die Maas, da sämtliche Brücken im Abschnitt zerstört waren. Am 12. Mai schloss das Infanterie-Regiment 74 über Hechel an den Albert-Kanal auf. Am 13. Mai erreichte die Masse des Regiments den Raum Heppen und Leopoldsburg. und sicherte am Albert-Kanal, der am Folgetag überschritten wurde. Am 16. Mai griff die 19. Infanterie-Division den Dyle-Abschnitt im Raum Holsbeek an (Fluß Dyle und dahinter liegender Dyle-Löwen-Kanal). Nach schweren Durchbruchskämpfen durch die befestigten belgischen Stellungen erreichte das Infanterie-Regiment 74 Vilvoorde am Willlebrock-Kanal nördlich von Brüssel. Am 17. Mai stieß das Regiment auf den Willebröck-Abschnitt nördlich von Brüssel vor, wo die 19. Infanterie-Division die beiden Brücken bei Pont-Brulé und Vilvoorde in Besitz nahm und zwei Brückenköpfe bildete. Am 18. Mai setzte das Regiment seinen Vormarsch über Asche bis an die Dendre fort. Am 19. Mai konnte das Regiment die Dendre überschreiten und einen Brückenkopf bilden. Am 20. Mai drehte es nach Südwesten ab und erreichte die Schelde. Nachdem am gleichen Tag noch ein Brückenkopf gebildet werden konnte, überschritt das Regiment am Folgetag in breiter Front zwischen Grijkoort und Meerse unter schweren Verlusten den Fluß. Am 22. Mai stieß es weiter nach Nordwesten vor und ging beiderseits Vichte gegen die Lys vor. Am 24. Mai begann das Regiment seinen Angriff über die Lys bei Beveren nördlich von Harlebeke. Wieder gelang der Übergang und wieder wich der gegenüberliegende Feind nach Norden und Westen aus. Die 19. Infanterie-Division übernahm die Sicherung der Westflanke des nach Norden angreifenden XI. Armeekorps und griff am 26. Mai entlang des Roeselare-Leie-Kanal nach Westen an, um so die Gefahr an der Westflanke auszuschalten. Bis zum 28. Mai wurde Iseghem erreicht. Nach der Kapitulation der belgischen Armee an diesem Tag erzwang das Infanterie-Regiment 74 am 29. Mai nördlich von Ypern den Übergang über den Iserkanal. Am 30. Mai wurde das Regiment aus dem immer enger werdenden Einschließungsring um das englische Expeditionskorps bei Dünkirchen herausgezogen und ging bis zum 2. Juni im Raum Westroosebeeke zur Ruhe über.
Bereits am 2. Juni begann die Verlegung des Regiments in seinen neuen Bereitstellungsraum bei Douai, das bis zum 4. Juni erreicht wurde. Das Regiment wurde zusammen mit der 19. Infanterie-Division OKH-Reserve und der 6. Armee unterstellt. Nach dem Beginn der zweiten Phase des Westfeldzuges, der "Schlacht um Frankreich" am 5. Juni wurde das Regiment den kämpfenden Truppen nach Süden nachgeführt, ohne selbst noch einmal in Gefechte verwickelt zu werden. Von Douai aus marschierte es nach Eterpigny (8. Juni) und Miraumont (9. Juni) und weiter über Vauvilles und Bouchoix bis nach Compiegne und Béthancourt, das am 13. Juni erreicht wurde. Am 15. Juni wurden die nordöstlichen Vororte von Paris erreicht und am 16. Juni die französische Hauptstadt durchschritten. Es folgen Märsche nach Orsanville (17. Juni), Voves (18. Juni), Verdes (19. Juni) und Selommes (20. Juni). Am 21. Juni erreichte das Regiment den Raum Autreche und am 22. Juni überquerte es bei Amboise die Loire und kurz darauf den Cher. Am 23. Juni wurde schließlich der Raum um Draché erreicht, wo der Westfeldzug für das Regiment endete. Nach drei Tagen Ruhe verlegte es schließlich in den Raum Mirrebeau an der Demarkationslinie. Zwischen dem 22. und 27. September wurde das Infanterie-Regiment 74 per Bahn in seine Heimatstandorte verlegt. Hier begann die Umwandlung zum Schützen-Regiment 74, die offizielle Umbenennung erfolgte am 1. November 1940. Dabei wurde das III. Bataillon des Regiments als I. Bataillon an das Schützen-Regiment 112 abgegeben.


Für die Ersatzgestellung des Regiments war das Infanterie-Ersatz-Bataillon 74 zuständig.

Regimentskommandeure:

Oberst Kurt Schmidt 12. Oktober 1937 - 30. September 1939

Oberst Gustav Schmidt 10. Oktober 1939 - 1. Oktober 1940

 

Literatur und Quellen:

Adalbert Wasner: Infanterie- und Panzergrenadier-Regiment 74. Erinnerungen an den Weg des Regiments durch Polen, Holland, Belgien, Frankreich und Rußland 1939 - 1945, Hrsg. Kameradschaft 74, Hannover 1970